Roy Makaay im Interview
Vor dem DFB-Pokalsspiel des FC Bayern gegen Rot-Weiß Oberhausen hat Roy Makaay ein Interview im Münchner Merkur gegeben. Nachfolgend der Text mit freundlichem Dank an die Sportredaktion des Münchner Merkur!
Das Pokalspiel der Bayern gegen Oberhausen ist das 200. Pflichtspiel in der Allianz Arena. Zum Jubiläum spricht Roy Makaay über interne Machtkämpfe und van Gaals Prinzipien.
Makaay schoss am 26. Juli 2005 beim 1:2 im Ligapokal gegen den VfB Stuttgart das allererste Pflichtspieltor im neuen Münchner Stadion. Der 34-Jährige ist ein Experte für Jubiläen - kürzlich erzielte er den 250. Ligatreffer seiner Karriere (78 davon für die Bayern), obwohl er bei Feyenoord Rotterdam zuletzt mehr Joker war.
Frage: Herr Makaay, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Treffer in der Arena?
Roy Makaay: „Ja, den weiß ich noch. Flanke, Kopfball, Timo Hildebrand lässt den Ball durchrutschen. Aber am Ende haben wir verloren. Da war das Tor egal. Ich denke doch lieber an die schönsten Tore zurück - und das sind die, die auch der Mannschaft geholfen haben.“
Frage: Was war denn dann das schönste in der Arena?
Makaay: „Das 1:0 damals gegen Real Madrid. Schon nach zehn Sekunden, das ist bis heute das schnellste der Champions-League-Historie. Und wir kamen weiter. Das war perfekt.“
Frage: Ist Münchens Stadion das schönste der Welt?
Makaay: „Also, es gehört sicher zu den schönsten der Welt. Barcelona, Madrid, San Siro in Mailand und München - das sind meine Favoriten. Ich hatte hier zwei wunderschöne Jahre. München ist immer ausverkauft, das erhöht den Reiz.“
Frage: Wie sehen Sie die Entwicklung Ihres Ex-Klubs?
Makaay: „Mit Louis van Gaal kam ein neuer Trainer und eine ganz neue Philosophie. Das dauert, aber man sieht: Langsam klappt es. Bayern spielt jetzt 4-4-3, ein tolles System. Ich freue mich für van Gaal und die Mannschaft, dass sie jetzt langsam auf Touren kommen.“
Frage: Sie haben van Gaal bei Ihrer Nationalelf erlebt - was halten Sie von ihm?
Makaay: „Als ich im Urlaub Uli Hoeneß in München besucht habe, hat er mich gefragt, was ich von van Gaal halte. Ich habe dem Manager gratuliert - van Gaal ist eine hervorragende Wahl. Er hat klare Ideen vom Fußball und sagt den Spielern immer direkt, was er von jedem Einzelnen verlangt. Und überall, wo er war, hatte er Erfolg. Auch wenn es anfangs immer ein bisschen gedauert hat, bis die Spieler seine Philosophie verinnerlicht hatten.“
Frage: Bei Bayern hofft man immer auf die Rückkehr an Europas Spitze. Van Gaal, Arjen Robben, Franck Ribery - sind das Garanten, dass es heuer so weit kommt?
Makaay: „Ich halte Barcelona für noch stärker als im letzten Jahr. Die sind auf jeder Position doppelt hervorragend besetzt. Bei Bayern weiß man, dass man sich in Spitzenspielen immer steigert. Die Gruppenphase schaffen sie, dann braucht man Losglück. Aber ich glaube, dass sie weit kommen.“
Frage: Sie haben Ihr Leben im Sturm gespielt, dort tobt in München heuer der größte Konkurrenzkampf - wie beurteilen Sie die Lage?
Makaay: „Ich denke nicht, dass da ein Problem entsteht. Weil van Gaal alles im Griff hat. Er stellt nach Leistung auf, ihn interessieren keine Namen oder wie teuer einer war. Das hat man jetzt in den letzten Wochen deutlich gesehen. Er setzt sogar mal Franck Ribery auf die Bank. Oder Mario Gomez. Das sind genauso Zeichen an die Mannschaft wie die Belohnung für Ivica Olic oder den jungen Thomas Müller, die spielen dürfen. Müller ist doch das beste Beispiel für die Arbeit von van Gaal: Wer sich reinhaut, bekommt seine Chance. Und bis zum Winter sind jetzt alle drei Tage ein Spiel. Da wird jeder Spieler gebraucht. Natürlich hat man in Gomez , Miro Klose und Luca Toni jetzt drei Mann für eine Position. Olic und Müller können auch Außen oder Mittelfeld spielen. Aber van Gaal wird da immer wieder neu entscheiden.“
Frage: Ist Olic für Sie eine Überraschung - er hat quasi den kleinsten Namen...
Makaay: „Aber er hat schon letztes Jahr beim HSV sehr stark gespielt. Und so macht er jetzt weiter. Bayern hat ihn nicht nur geholt, weil er ablösefrei war. Er schießt Tore, ist vielseitig und technisch stark. Und er ist ein Typ, der nie aufgibt. Für mich ist er keine Überraschung.“
Frage: 35-Millionen-Einkauf Gomez kommt hingegen nicht so gut in Tritt...
Makaay: „Gomez hat in Stuttgart bewiesen, dass er ein klasse Stürmer ist. Es ist für ihn auch eine Umstellung. Der VfB hat immer mit zwei Mann vorne gespielt. Aber der Gomez, der kommt noch. Das ist ein Riesenstürmer - um den muss sich keiner Sorgen machen.“
Frage: Zumal er eine überaus prominente Flügelzange als Zulieferservice hat.
Makaay: „Ja. Ribery ist für mich absolute Weltklasse. Robben war oft verletzt, aber wenn der richtig fit ist, ist das auch ein richtiger Künstler. Wenn beide in Form sind, wird es gar nicht lustig, gegen Bayern zu verteidigen - und zwar für keine Mannschaft der Welt. Bayern kann jetzt über die Seiten immer volle Pulle gehen, die haben da jetzt eine Klasse, die in Europa nicht viele haben. Und im Mittelfeld gibt es ja noch Bastian Schweinsteiger oder Mark van Bommel, die auch immer gefährlich sind.“
Frage: Wie steht es um Sie selbst - was sind Ihre Ziele bis zum Karriere-Ende?
Makaay: „Ich will mit Feyenoord ins internationale Geschäft, und da stehen wir gut da. Ich bin jetzt 34, natürlich sitzt man in dem Alter ab und zu mal auf der Bank, aber ich will noch so lange spielen, wie ich Spaß habe und wie es mein Körper erlaubt. Nebenbei mache ich meinen Trainerschein und würde später gerne im Jugendbereich arbeiten. Aber erst mal will ich schon noch eine Weile spielen.“


