Roy Makaay im fifa.com-Interview
Am Tag nach dem 3:1-Sieg seiner Mannschaft gegen den FC Twente Enschede erklärte sich Roy Makaay zu einem Interview im Presseraum des Feynoord-Stadions „De Kuip" mit fifa.com bereit. Wir haben für Euch das komplette Interview auch hier auf Roys Homepage.
Roy Makaay, Sie sind als 32-Jähriger nach zehn Jahren Abwesenheit in Ihre Heimat zurückgekehrt. Hatten Sie das schon seit längerem geplant?
Nein, überhaupt nicht! Mein Vertrag bei den Bayern lief ja noch ein Jahr, so dass ich auch hätte bleiben können. Doch im Fussball verlangen mitunter bestimmte Umstände auch entsprechende Entscheidungen. Die Bayern hatten zwei internationale Topstürmer geholt, und ich war erfahren genug, um abschätzen zu können, wie sich das Ganze weiterentwickeln wird. Fortan würden beide Angreifer auch spielen, das war klar. Ich aber wollte nicht ein ganzes Jahr lang auf der Ersatzbank sitzen und mein Geld verdienen, ohne groß zum Einsatz zu kommen. Also habe ich mich entschieden, den Verein zu verlassen. Ich hatte ja immer gesagt, dass, wenn ich einmal aus München weggehe, ich nach Spanien oder in die Niederlande wechseln möchte. Aus meiner Heimat lagen mir ein paar konkrete Angebote vor, von denen sich das von Feyenoord Rotterdam als das beste erwies. Weil ich möglichst schnell handeln wollte, blieb mir keine Zeit, mich in Geduld zu üben und auf weitere Angebote aus Spanien zu warten, zumal ich weiß, dass dies dort in der Regel etwas länger dauert.
Haben Sie inzwischen bereut, dass Sie die Bayern zu einem Zeitpunkt verlassen haben, da deren Spielanlage in dieser Saison offensiver denn je ist, vor allem dank Franck Ribéry?
Nein, nicht ein einziges Mal. Ich sagte ja bereits, dass es allein meine Entscheidung war, den Verein zu verlassen, außerdem fühle ich mich in Rotterdam sehr wohl. In dem Moment, da man einen Ribéry verpflichtet, ist jedem klar, was man damit bezweckt. Und sein Start in die laufende Saison hat ja auch gezeigt, dass sich sein Wechsel nach München gelohnt hat. Allerdings haben sich die Bayern kurz vor der Winterpause auch mehrfach Kritik eingehandelt, und Werder Bremen gelang wieder der Anschluss an die Tabellenspitze. Auf den Bayern lastet ein enormer Erfolgsdruck. Davon zeugen auch die jüngsten Transfers in der Winterpause. Man darf also gespannt sein, ob und wie sich das alles am Saisonende niederschlägt.
Demnach haben Sie die Bayern im gütlichen Einvernehmen mit der Klubführung und den Fans verlassen?
Ja, absolut. Der Verein hat mich auch zum Abschiedsspiel von Mehmet Scholl eingeladen, um die Partie als Zuschauer zu verfolgen. Und auch ich wurde offiziell vom FC Bayern München verabschiedet. Es war schon ein bewegender Augenblick, als mir die Fans zujubelten und ich einige Geschenke überreicht bekam. Welche Bilanz ziehen Sie nach vier Jahren in München, von denen die ersten beiden überaus erfolgreich waren und die beiden letzten etwas weniger glanzvoll, zumindest was die Trefferausbeute anbelangt? Immerhin habe ich für die Bayern über 110 Tore geschossen [Anm. d. Red.: Exakt sind es 129]. Lediglich Gerd Müller hat für die Bayern öfter getroffen als ich. Wenn ein derart legendärer Stürmer der Einzige ist, der in der ewigen Torschützenliste vor einem rangiert, dann will das schon etwas heißen. In den beiden letzten Jahren, vor allem in der vergangenen Saison, lief es zwar nicht mehr ganz so gut, doch das stört mich nicht. Schließlich habe ich trotzdem meinen Beitrag geleistet, und im Jahr 2006 haben wir den Meistertitel geholt. Insgesamt habe ich in München also vier wunderbare Jahre gehabt. Man sagt Ihnen nach, dass Sie kritischen Äußerungen zu Ihrer Person, die in Ihrer letzten Bundesliga-Saison immer häufiger wurden, eher gelassen gegenüberstehen.
Kann Sie wirklich nichts aus der Ruhe bringen?
Ich lese zwar die Kommentare der Presse, doch ehrlich gesagt messe ich der Kritik der Medien nicht viel Bedeutung bei. Es genügt, zu wissen, dass man bei diesen Leuten aus irgendwelchen Gründen, die nicht im sportlichen Bereich liegen, nicht gerade beliebt ist. Manchmal stecken auch persönliche Beziehungen zu dem einen oder anderen Fussballer, mit dem man in Konkurrenz steht, dahinter. Für mich zählt einzig und alleine das, was meine Mitspieler, mein Trainer und die Vereinsführung über mich denken.
Haben Sie aufgrund der Tatsache, dass Ihr Wechsel nach München den Bayern damals die Rekordsumme von rund 20 Mio. EUR kostete, einen besonderen Erwartungsruck gespürt?
Nein. So etwas kannte ich schon von Deportivo La Coruña, als ich von CD Teneriffa nach Nordspanien gewechselt war. Dort zählte meine Verpflichtung gleichfalls zu den zwei teuersten in der Vereinsgeschichte. Wissen Sie, spätestens in dem Moment, da etwas eine Größenordnung annimmt, die man allein nicht mehr steuern kann oder auf die man nur einen begrenzten Einfluss hat, bleibt einem nur noch, auf dem Platz sein Bestes zu geben. Und zwar ohne an die für das Zustandekommen des Transfers gezahlten Millionen zu denken. Bei den Bayern befindet sich derzeit Ribéry in dieser Rolle, wobei auch er sich diese nicht selbst herbeigewünscht hat. Feyenoord Rotterdam hat sich finanziell im vergangenen Sommer ganz schön strecken müssen, zum einen, um die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Vereins abzusichern, zum anderen, um sich die Dienste von Van Bronckhorst zu sichern.
Spüren Sie, dass man sehr viel von Ihnen persönlich erwartet und dass diese Saison für den Klub einen besonderen Stellenwert besitzt?
Feyenoord wollte seinen Fans anlässlich der 100-Jahr-Feier des Vereins eine schlagkräftige Mannschaft präsentieren. Dafür hat der Klub in der Tat eine Menge Geld investiert. Besonders die vorherige Saison war alles andere als wunschgemäß verlaufen. Nachdem eine ganze Reihe neuer Spieler verpflichtet wurden, finde ich, dass unsere Mannschaft zurzeit recht gut spielt, auch wenn wir noch sechs Punkte Rückstand auf den aktuellen Tabellenführer haben. Ich persönlich bin mit bisher zwölf Saisontoren zufrieden. Einen besonderen Erwartungsdruck spüre ich jedoch nicht. Ich bin hier, um mich in die Mannschaft einzubringen und um das zu tun, was ich am besten kann.
Genau, und als inzwischen 32-Jähriger treffen Sie nach wie vor regelmäßig. Liegt es an Ihrer Art zu spielen, dass Sie so lange erfolgreich sind?
Ich glaube nicht, dass die Spielweise damit in irgendeiner Form im Zusammenhang steht. Ich hatte das Glück, nie ernsthaft verletzt zu werden, und ich achte stets darauf, meinem Körper nicht zu viel zuzumuten. Mittlerweile bin ich nicht mehr so belastbar wie früher, also brauche ich auch mehr Ruhepausen. So halte ich mich auch noch mit 32 Jahren in Form, aber nicht durch meine Spielweise als solche. Klaas Jan Huntelaar meinte vor ein paar Monaten im Gespräch mit uns, dass für einen in der niederländischen Meisterschaft erprobten Profi 25 bis 30 Tore nichts Außergewöhnliches seien.
Haben Sie sich für die laufende Saison ein konkretes Ziel gesetzt?
Nein, so etwas habe ich noch nie gemacht. Schließlich hängt eine erfolgreiche Saison nicht allein vor der erzielten Trefferquote ab. Ich ziehe meine Bilanz immer am Saisonende, wobei ich verschiedene Kriterien berücksichtige. Ein Angreifer ist stets auf die Mannschaft und seine Sturmpartner angewiesen. Übrigens achte ich schon bei der Vertragsunterzeichnung mit einem Verein auf mein unmittelbares Umfeld in der Angriffsreihe, um sicher zu gehen, dass ich dort auch entsprechend hinein passe.
Das könnte auch erklären, warum Sie in Ihrer bisherigen Karriere noch nie eine schlechte Wahl getroffen haben?
Eben. Außerdem treffe ich meine Entscheidungen stets aus dem Gefühl heraus. Einerseits weiß ich genau, was ich will, andererseits lasse ich mich aber auch von meinen Wünschen und meinem Instinkt leiten. Sie haben in Ihrer Laufbahn schon große Erfolge feiern können.
An welchen erinnern Sie sich besonders gern?
Es ist schwierig, einen der Höhepunkte herauszuheben. Im Rückblick finde ich wirklich nichts, was ich an meiner bisherigen Karriere zu bereuen hätte. Wenn ich zwei oder drei Beispiele nennen sollte, dann fällt mir zuerst der spanische Meistertitel mit Deportivo La Coruña aus dem Jahr 2000 ein, denn es war der erste überhaupt in der Vereinsgeschichte und damit ein ganz besonderer. Und vielleicht noch wertvoller als der Titelgewinn mit Bayern München, für den es ja bei Weitem nicht der erste war. Schließlich war auch die Torschützenkrone der Saison 2002/03 in der Primera División für mich persönlich eine hohe Anerkennung. Und wer ist der beste Fussballer, mit dem Sie je in einer Mannschaft gespielt haben? Das ist ebenfalls schwer zu beantworten. Bei den Bayern ist man in jeder Saison von großartigen Spielern umgeben. Doch ganz spontan würde ich sagen, dass es Juan Carlos Valerón in La Coruña war. Er war ein brillanter und echt starker Mitspieler.


